Tasmania in der Bundesliga – Heute vor 50 Jahren

23. April 2016

TSV 1860 München – SC Tasmania 1900 4:0 (1:0)

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Zwei ansprechende Leistungen in Folge hatte der SC Tasmania in der Bundesliga-Saison bis dato eigentlich nicht zu Stande gebracht. So musste den Fans ein wenig bange werden nach dem 1:1 gegen Bremen – und vor dem Trip nach München. Der TSV 1860 war schließlich vergangene Saison im Europapokal der Pokalsieger erst im Endspiel von West Ham United gestoppt worden und galt in der Spielzeit 1965/66 als ernsthafter Titelanwärter auf die Deutsche Meisterschaft. Vor der Partie gegen Tasmania 1900 lag man – zwei Punkte hinter Spitzenreiter Borussia Dortmund – auf dem 3. Platz.

Um die Klasse der „Blauen“ zu erahnen, lohnt sich ein kurzer Blick auf das Team: das Tor hütete etwa der legendäre Petar Radenkovic – der serbische Keeper der jugoslawischen Auswahl, der nicht nur herausragend hielt, sondern auch auf und abseits des Fußballplatzes für die eine oder andere ‚Showeinlage‘ zu haben war. So führte er regelmäßig Ausflüge ausßerhalb seines 16ers vor (und war seiner Zeit damit gewissermaßen weit voraus) und nahm ein Lied auf („Bin i‘ Radi, bin i‘ König“). In der Defensive der 27-fache Nationalspieler Bernd Patzke, der später noch für Hertha BSC die Stiefel schnürte, oder Otto Luttrop, wegen seiner Schusskraft „Atom-Otto“ gerufen. Die besondere Stärke der Löwen aber lag eindeutig in der Offensive: dort tummelten sich Klasseleute wie Fredi Heiß, Peter Grosser oder Friedhelm „Timo“ Konietzka, der dem ersten Tor der Bundesliga-Geschichte 1963 (damals für Dortmund) in 100 Spielen noch 71 weitere folgen ließ. Und zu guter Letzt saß mit Max Merkel ein ebenso anerkannter Trainer wie Sprücheklopfer auf der Bank.

So ging – kaum verwunderlich – die Strategie des SC Tasmania 1900 zunächst mal auf Torverhinderung. Als eindringliche Mahnung diente dabei der 9:1-Auswärtssieg der „Sechz’ger“ eine Woche zuvor bei Borussia Neunkrichen. Es entwickelte sich dadurch aber eine wenig ansehnliche Partie. Der Anreiz, selbst etwas für das Spiel zu tun, wurde für die Neuköllner dann noch geringer, als sich – wie schon in verschiedenen Partien zuvor – ein Spieler frühzeitig verletzte. Der Unterschied diesmal: Wulf-Ingo Usbeck konnte nicht mal mehr als „Stand-by“-Kicker am Spiel teilnehmen, sodass die Tasmanen in Unterzahl weitermachen mussten. Doch auch die zum Teil harte Spielführung der Gäste konnte schließlich das Unvermeidbare nicht verhindern: Konietzka staubte zehn Minuten vor der Pause zur Führung ab, womit der Bann für die Münchner gebrochen war.

Nach dem Wechsel machten die „Blauen“ durch Tore von Rebele und Grosser schnell den Deckel drauf. Unschöner Höhepunkt dann kurz vor Ende das Eigentor von Jürgen Linder zum 0:4-Endstand aus Sicht der gebeutelten Gäste. Tasmania war damit aber noch gut bedient, hatten die „Löwen“ doch zusätzlich noch insgesamt 6-mal Pfosten oder Latte getroffen. Da die Mannschaft von Trainer Heinz-Ludwig Schmidt auch durch die Unterzahl eigentlich nur in der Defensive gebunden war, war nach vorne keine nennenswerte Chance für die Neuköllner zu verzeichnen. Keine Frage: der kommende Deutsche Meister war an diesem Tag eine Nummer zu groß – und das Resultat am Ende fast noch das Beste.

Der zweite Abstiegskandidat, Borussia Neunkichen, ließ dagegen mit einem 2:1-Auswärtssieg in Frankfurt aufhorchen und hielt die Hoffnungen auf den Klassenerhalt bei nun drei Punkten Rückstand auf Schalke 04 noch am Leben. An der Spitze leistete sich Tabellenführer Borussia Dortmund beim 1:2 in Duisburg einen Ausrutscher – womit die beiden Münchner Klubs durch ihre jeweiligen Erfolge nach Punkten gleichziehen konnten.

Spieldaten:
1. Bundesliga, Saison 1965/66, 30. Spieltag
Anstoß: Samstag, 23.04.1966, 16 Uhr
Stadion: Stadion an der Grünwalder Straße, München
Zuschauer: 23.000 Zuschauer
Schiedsrichter: Josef Hensel (Oberhausen)

TSV 1860: Radenkovic, Patzke, Steiner, Luttrop, Reich, Perusic, Heiß, Küppers, Grosser, Konietzka, Rebele. Trainer: Merkel
Tasmania: Rohloff, V. Becker, Linder, Meißel, Konieczka, Peschke, Neumann, Engler, Rosenfeldt, H.-G. Becker, Usbeck. Trainer: Schmidt
Tore: 1:0 Konietzka (35.), 2:0 Rebele (49.), 3:0 Grosser (57.), 4:0 Linder (87., Eigentor).

Tasmania nach dem 30. Spieltag: 1 Sieg, 4 Unentschieden, 25 Niederlagen; 12:97 Tore, 6:54 Punkte.

Quelle: Bundesliga-Chronik 1965/66 (Agon-Sportverlag, Kassel 2005), fussballdaten.de, kicker.de.

Spielbericht: Hagen Nickelé


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