Tasmania in der Bundesliga – heute vor 50 Jahren

28. Mai 2016

FC Schalke 04 – SC Tasmania 1900 4:0 (2:0)

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Am letzten Spieltag der Spielzeit 1965/66 waren im Tabellenkeller bereits alle Fragen geklärt: neben Tasmania 1900 musste Borussia Neunkirchen (nach dem 1:2 bei den Neuköllnern eine Woche zuvor) den Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Einmal noch also sollte die Mannschaft von Heinz-Ludwig Schmidt in der Bundesliga auflaufen – und dies an einem historischen Ort. Gegner FC Schalke 04 trug zu dieser Zeit seine Heimspiele noch in der Glückauf-Kampfbahn aus, wo in den 30er Jahren schon Szepan, Kuzorra & Co. den legendären „Schalker Kreisel“ auf den Rasen zauberten.

In dieser Spielzeit konnte man bei den Königsblauen von erfolgreichem Fußball aber auch nur träumen – schließlich steckte man länger im Abstiegskampf, als einem lieb sein konnte. Vor der abschließenden Runde lagen die Schalker auf Platz 15, ihre heute noch bekanntesten Akteure waren Klaus Fichtel (lange Zeit Bundesliga-Rekordspieler mit 594 Einsätzen, dazu ältester Bundesligaspieler im Alter von 43 Jahren, 6 Monaten und 3 Tagen – letzter Einsatz im Mai 1988!) und Friedel Rausch, der v. a. dadurch bekannt wurde, dass ihm beim Ruhrderby gegen Dortmund im September 1969 bei Tumulten ein Polizeihund ins Gesäß gebissen hatte. Der später als Trainer erfolgreich arbeitende Rausch spielte übrigens die Partie zu Ende, nachdem ihm der Vereinsarzt eine Tetanusspritze verabreicht hatte – andere Zeiten, eben….

Tasmanias Trainer Schmidt tauschte aus der gegen Neunkirchen siegreichen Mannschaft Peter Engler und „Wolla“ Rosenfeldt aus. Dafür kamen nochmal Helmut Fiebach und Ulrich Sand zum Einsatz. Obwohl es eher um Schadensbegrenzung ging, legte Tasmania einen klassischen Fehlstart hin: nach nicht einmal 60 Sekunden hatte Klose den Gastgeber in Führung gebracht. Pyka ballerte kurz darauf an den Pfosten des Tores von Heinz Rohloff – ein Debakel drohte. Doch die „Knappen“ übertrafen sich im Auslassen von Torchancen oder wurden durch Hans-Günter Becker bzw. Klaus Konieczka, die beiden besten Tas-Spieler des Nachmittags, entscheidend ausgebremst. Die drohende Torflut blieb so aus, dennoch gelang Schalke vor der Pause noch das 2:0 durch Herrmann.

Kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit waren die Neuköllner ein weiteres mal im Glück, als Kreuz das Lattendreieck anvisierte. Bis in die Schlussphase blieb es so bei dem Spielstand, dann ging Tasmania doch noch die Luft aus. Innerhalb von drei Minuten legten die Schalker noch zwei Tore nach und sorgten für den klaren 4:0-Endstand. Derweil machte die Nachricht im Stadion die Runde, dass der TSV 1860 München mit dem 1:1 gegen den HSV den noch fehlenden Punkt zum Gewinn der Deutschen Meisterschaft einfahren konnte – Verfolger Dortmund hatte aber ohnehin in Frankfurt ein 1:4 kassiert.

Der SC Tasmania 1900 jedoch verabschiedete sich an diesem Tag aus der Bundesliga und sollte bis heute nicht mehr wiederkommen. Bewegte Zeiten erlebte der Club in der Zwischenzeit, ganz in Vergessenheit geraten ist man allerdings nie – denn: viele Negativrekorde haben die Neuköllner aufgestellt, die bis heute Gültigkeit besitzen. Somit schrieb man ein ganz eigenes Kapitel Bundesligageschichte und die Spieler nahmen es mehr oder weniger sportlich – wie sagte Torhüter Rohloff später einmal: „In der Folgezeit haben wir auch nicht mehr so gelebt, wie es der Profisport erfordert, sondern nach dem Motto: ,Trinken wir noch einen, dann ist das Ganze besser zu ertragen’“.

Spieldaten:
1. Bundesliga, Saison 1965/66, 34. Spieltag
Anstoß: Samstag, 28.05.1966, 16 Uhr
Stadion: Glückauf-Kampfbahn, Gelsenkirchen
Zuschauer: 8.000 Zuschauer
Schiedsrichter: Hermann Güller (Augsburg)

Schalke: Mühlmann, Becher, Rausch, Pyka, Fichtel, Pliska, Bechmann, Herrmann, Kreuz, Neuser, Klose. Trainer: Langner
Tasmania: Rohloff, H.-G. Becker, V. Becker, Meißel, Konieczka, Peschke, Neumann, Fiebach, Zeh, Szymaniak, Sand. Trainer: Schmidt

Tore: 1:0 Klose (1.), 2:0 Herrmann (37.), 3:0 Klose (78.), 4:0 Kreuz (81.).

Tasmania nach dem 34. Spieltag: 2 Siege, 4 Unentschieden, 28 Niederlagen; 15:108 Tore, 8:60 Punkte.

Quelle: Bundesliga-Chronik 1965/66 (Agon-Sportverlag, Kassel 2005), fussballdaten.de, kicker.de.

Spielbericht: Hagen Nickelé


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