Tasmania in der Bundesliga – Heute vor 50 Jahren

21. Mai 2016

SC Tasmania 1900 – Borussia Neunkirchen 2:1

Der vorletzte Spieltag der Saison 1965/66 führte die beiden Kellerkinder zusammen. Für den SC Tasmania 1900 stand dabei der Abstieg bereits fest – die Aussichten von Borussia Neunkirchen nach dem 0:2 auf Schalke am Spieltag zuvor waren allerdings auch nur noch theoretischer Natur. Zwei Partien vor Saisonende trennten die Saarländer vier Punkte und ein um 18 Tore schlechteres Torverhältnis vom rettenden Ufer bzw. Karlsruher SC.
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Die Borussia schien in der Anfangsphase der Partie zunächst noch die Mini-Chance wahrnehmen zu wollen, kam zu zwei Torgelegenheiten. Doch der Gastgeber war es, der in Führung ging: nach einem Einwurf von Wolfgang Neumann war Wolfgang Rosenfeldt der Ball zwar versprungen, doch Lothar Zeh erkannte gedankenschnell seine Chance und traf mit sattem Schuss zum 1:0 (22.). Nun waren die Tasmanen am Drücker, doch die Neunkirchner trafen: Volker Becker unterlief im eigenen Strafraum ein Handspiel und Schiedsrichter Riegg zeigte auf den Punkt. Günter Kuntz, Vater des späteren Nationalspielers Stefan Kuntz, ließ Tasmania-Torwart Heinz Rohloff keine Chance – mit dem Unentschieden ging es in die Kabinen.

Spätestens im zweiten Durchgang konnten beide Teams ihre Platzierung in der Tabelle nicht mehr verleugnen: viele Fehlpässe und kaum Torgelegenheiten prägten das Spielgeschehen. Torschütze Zeh vergab die beste für die Neuköllner, als er in der 56. Minute freistehend vor dem gegnerischen Tor den Ball in die Wolken schoss. Auf der anderen Seite hatte Tasmania Glück, als ein Schuss von Melcher knapp am Tor von Rohloff vorbei ging. Schließlich fiel aber doch noch ein Tor – und zwar für die Hausherren. Wolfgang Neumann war es kurz vor Spielende vorbehalten, aus einer unübersichtlichen Situation heraus das 2:1 zu erzielen. Der erste Sieg Tasmanias seit neun Monaten, seit dem 2:0 über den Karlsruher SC am 1. Spieltag vor über 81.000 Zuschauern, war perfekt. Somit schloss sich für die Neuköllner der Kreis und es kam zumindest zu einem versöhnlichen Abschluss des „Abenteuers Bundesliga“ vor eigenem Publikum.

Die Borussia aus Neunkirchen stand durch die 1:2-Niederlage nun endgültig als zweiter Absteiger fest. Ein Jahr zuvor noch hatten sie Schicksal für Tasmania gespielt, als sie im entscheidenden Spiel in der Aufstiegsrunde den Blau-Weißen den Platz im Oberhaus vor der Nase wegschnappten – nun traten sie beide gemeinsam wieder den Gang in die Zweitklassigkeit an.

Im Meisterrennen machte der TSV 1860 München einen ‚Big Point‘: bei den bis dahin punktgleichen Dortmunder Borussen gelang ein 2:0-Erfolg, während Lokalrivale FC Bayern nach dem 1:4 zuhause gegen Köln keine Chance mehr auf den Titel hatte. Den „Löwen“ von Trainer Max Merkel reichte so am letzten Spieltag schon ein Remis gegen den HSV, um die Deutsche Meisterschaft nach Giesing zu holen.

Spieldaten:
1. Bundesliga, Saison 1965/66, 33. Spieltag
Anstoß: Samstag, 21.05.1966, 16 Uhr
Stadion: Olympiastadion, Berlin
Zuschauer: 2.000 Zuschauer
Schiedsrichter: Karl Riegg (Augsburg)

Tasmania: Rohloff, H.-G. Becker, V. Becker, Meißel, Konieczka, Peschke, Neumann, Engler, Zeh, Szymaniak, Rosenfeldt. Trainer: Schmidt
Neunkirchen: Kirsch, Peehs, Schröder, Melcher, Peter, Schock, Utzig, Wingert, Görts, Kuntz, Heiden. Trainer: Buhtz

Tore: 1:0 Zeh (22.), 1:1 Kuntz (37., Handelfmeter)), 2:1 Rosenfeldt (83.).

Tasmania nach dem 33. Spieltag: 2 Siege, 4 Unentschieden, 27 Niederlagen; 15:104 Tore, 8:58 Punkte.

Quelle: Bundesliga-Chronik 1965/66 (Agon-Sportverlag, Kassel 2005), fussballdaten.de, kicker.de.

Spielbericht: Hagen Nickelé


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