Tasmania in der Bundesliga – Heute vor 50 Jahren

14. Mai 2016

Eintracht Braunschweig – SC Tasmania 1900 3:1

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Drei Spieltage vor Ende der Saison 1965/66 ging es für die Tasmanen nur noch darum, den einen oder anderen Achtungserfolg einzufahren: Ein Pünktchen zu ergattern etwa oder gar den zweiten Sieg der Spielzeit zu feiern. Das Gastspiel in Braunschweig veranlasste dazu, ein wenig in diese Richtung zu spekulieren, hatte die Eintracht doch am vergangenen Spieltag beim Vorletzten Borussia Neunkirchen mit 0:1 verloren und davor viermal Unentschieden gespielt. Jenseits von gut und böse lagen die Ostniedersachsen dazu in der Tabelle auf Platz 10. Tasmanias Trainer Heinz-Ludwig Schmidt änderte seine Formation auf zwei Positionen gegenüber dem Frankfurt-Spiel: Lothar Zeh und „Wolla“ Rosenfeldt spielten von Beginn an für Jürgen Wähling und Helmut Fiebach.

Die Gastgeber – mit einigen Spielern in ihren Reihen und Trainer Johannsen auf der Bank, die eine Saison später völlig überraschend Deutscher Meister werden sollten – taten sich vor 6.000 Besuchern an der Hamburger Straße tatsächlich schwer. Moll konnte zwar mit einem Abstaubertor nach einer knappen halben Stunde für die 1:0-Pausenführung der Eintracht sorgen, nach dem Wechsel aber schlug Tasmania zurück: Klaus Konieczka traf zum Ausgleich in der 55. Minute. Die nicht durchgehend bundesligareife Darbietung veranlasste im Anschluss auch Teile des heimischen Publikums, den bereits abgestiegenen Außenseiter aus Neukölln anzufeuern. Horst Szymaniak, der wegen besonderer Bewachung an diesem Nachmittag nicht so zum Zuge kam, soll sich darüber nach der Partie wie folgt mokiert haben: „Wenn wir zuhause auch einmal so angefeuert würden wie hier, wäre ich schon zufrieden.“

Lange Zeit hielt Tasmania den Spielstand und konnte bereits auf wenigstens einen Zähler spekulieren, als fünf Minuten vor dem Abpfiff Krafczyk doch noch die erneute Führung für die Hausherren gelang. Maas, der bereits beide Treffer im Hinspiel zum 2:0-Sieg der Braunschweiger erzielt hatte, konnte sogar kurz darauf noch nachlegen, als die Schmidt-Elf sich wegen des Rückstands öffnen musste. Nichts war’s am Ende also wie so oft zuvor in dieser Saison mit einem Punkt – dazu brachte Tasmania auch einfach zu wenig Torgefahr auf den Platz.

Nach der 0:2-Niederlage beim direkten Konkurrenten Schalke 04 in dieser 32. Runde waren auch die Chancen von Borussia Neunkirchen auf den Klassenerhalt nur noch theoretischer Natur. Der Karlsruher SC (0:1 in Frankfurt) und der 1. FC Kaiserslautern (1:1 gegen Hannover) lagen nun mit vier Punkten vor den Saarländern und verfügten dazu über das weit weniger schlechte Torverhältnis.

Das Trio an der Tabellenspitze dagegen patzte und rückte so noch enger zusammen: Borussia Dortmund unterlag beim noch amtierenden Meister in Bremen (0:1), 1860 konnte trotz des 3:3 zuhause gegen Gladbach nach Punkten zumindest wieder gleich ziehen und der FC Bayern verpasste mit dem 1:1 in Duisburg, es dem Lokalrivalen nach zu machen. Das Rennen um den Meistertitel sollte dazu am 33. Spieltag eine weitere Zuspitzung durch das direkte Aufeinandertreffen des Spitzenduos in Dortmund erfahren, während der FC Bayern als Verfolger den Tabellen-5. aus Köln erwartete.

Spieldaten:
1. Bundesliga, Saison 1965/66, 32. Spieltag
Anstoß: Samstag, 14.05.1966, 16 Uhr
Stadion: Stadion an der Hamburger Straße, Braunschweig
Zuschauer: 6.000 Zuschauer
Schiedsrichter: Franz Wengenmeyer (München)

Braunschweig: Wolter, Brase, Simon, Schmidt, Kaack, Bäse, Gerwien, Ulsaß, Moll, Krafczyk, Maas. Trainer: Johannsen
Tasmania: Rohloff, H.-G. Becker, V. Becker, Meißel, Konieczka, Peschke, Neumann, Engler, Zeh, Szymaniak, Rosenfeldt. Trainer: Schmidt

Tore: 1:0 Moll (27.), 1:1 Konieczka (55.), 2:1 Krafczyk (85.), 3:1 Maas (88.).

Tasmania nach dem 32. Spieltag: 1 Sieg, 4 Unentschieden, 27 Niederlagen; 13:103 Tore, 6:58 Punkte.

Quelle: Bundesliga-Chronik 1965/66 (Agon-Sportverlag, Kassel 2005), fussballdaten.de, kicker.de.

Spielbericht: Hagen Nickelé


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