Tasmania in der Bundesliga – Heute vor 50 Jahren

16. April 2016

SC TASMANIA 1900 – SV WERDER BREMEN 1:1 (1:1)

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Nur 1.200 Zuschauer wollten am 29. Spieltag der Saison 1965/66 noch den amtierenden Deutschen Meister in Berlin sehen. Doch die wenigen Besucher im Olympiastadion rieben sich schnell die Augen. Der SV Werder Bremen – ohne die Nationalspieler Höttges und Lorenz – wirkte nur zwei Tage nach einem Freundschaftsspiel bei Juventus Turin, das 3:2 gewonnen wurde, mit der nur auf einer Position veränderten Mannschaft nicht auf der Höhe und ließ sich vom kampfstarken SC Tasmania 1900 weitgehend beherrschen. Und das, obwohl die Neuköllner – nicht zum ersten Mal in dieser Spielzeit – früh einen verletzten Spieler mit „durchziehen“ mussten. Dieses Mal handelte es sich um Stürmer Ulrich Sand, der sich bis zum Schluss durchschleppte. So kam der Führungstreffer der Tasmanen nach einer guten halben Stunde nicht mal überraschend: „Wolla“ Rosenfeldt bediente Peter Engler, der mit einem sehenswerten Schuss Werder-Torwart Bernard überwand.

Auch nicht zum ersten Mal standen sich die Spieler von Trainer Heinz-Ludwig Schmidt allerdings beim Unterfangen, einen Sieg einzufahren, selbst im Weg. Öfter schon kassierte man Gegentreffer etwa unmittelbar nach Wiederanstoß, diesmal aber war man in der ersten Halbzeit schon zu früh mit den Gedanken in der Kabine. Sekunden vor dem Pausenpfiff traf Podlich so nach einem Konter für die Bremer zum Ausgleich.

Doch auch nach dem Wechsel präsentierten sich die Hanseaten wenig meisterlich. Allein ein Pfostentreffer durch einem Freistoß von Schütz war erwähnenswert. Tasmania ließ dagegen einmal mehr entscheidende Durchschlagskraft vermissen und konnte seine Vorteile so nicht in Zählbares ummünzen. „Das war unser schwächstes Saisonspiel, eigentlich hätte Tasmania gewinnen müssen“, urteilte der erwähnte Bernard nach Schlusspfiff das Geschehen. Es reichte aber nur zu einem Remis, dem insgesamt sechsten Saisonpunkt.

Beinahe wäre man sogar den Rekord der höchsten Heimniederlage an diesem Spieltag losgeworden: 1860 München, der kommende Meister, gewann 9:1 bei Borussia Neunkirchen. Der Vorletzte aus dem Saarland durfte dennoch – im Gegensatz zu den bereits abgestiegenen Tasmanen – immer noch auf den Klassenerhalt hoffen, denn der Rückstand auf Platz 16 und den FC Schalke 04 belief sich weiterhin nur auf vier Punkte. Das Meisterrennen blieb ebenfalls spannend: Borussia Dortmund (4:0 gegen Stuttgart) wahrte zwei Punkte Vorsprung auf den FC Bayern (3:1 gegen Hannover) und den TSV 1860 – keiner der Meisteranwärter gab sich also eine Blöße.

Spieldaten:

1. Bundesliga, Saison 1965/66, 29. Spieltag
Anstoß: Samstag, 16.04.1966, 16 Uhr
Stadion: Olympöiastadion, Berlin
Zuschauer: 1.200 Zuschauer
Schiedsrichter: Rudolf Schreiner (Wachenbuchen)


Tasmania:
Rohloff, Becker, Linder, Engler, Meißel, Konieczka, Usbeck, Rosenfeldt, Zeh, Szymaniak, Sand. Trainer: Schmidt
SV Werder: Bernard, Piontek, Bordel, Ferner, Steinmann, Schulz, Zebrowski, Schütz, Hänel, Danielsen, Podlich. Trainer: Brocker
Tore:
1:0 Engler (31.), 1:1 Podlich (45.).

Tasmania nach dem 29. Spieltag: 1 Sieg, 4 Unentschieden, 24 Niederlagen; 12:93 Tore, 6:52 Punkte.

Quelle: Bundesliga-Chronik 1965/66 (Agon-Sportverlag, Kassel 2005), fussballdaten.de, kicker.de., WerderWiki

Spielbericht: Hagen Nickelé


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