VfB Fortuna Biesdorf 7 - 6 n. E. SV Tasmania Berlin

13. October 2018 - 14:00 Uhr - Sportplatz Grabensprung
  • Spielbericht
  • Spieldaten

Bitteres Pokalaus im Elfmeterschießen

Auch das Zusammenrücken nutzte nichts: Tasmania (in Weiß) verlor das 11m-Schießen gegen Biesdorf  (Foto: SV Tasmania/Nickelé)

60 Minuten lang hat Tas alles im Griff, verpasst aber die Vorentscheidung +++ Ausgleichstreffer in Überzahl +++ Wilde Verlängerung mit Chancen und zehn Mann auf beiden Seiten +++ Am Ende zieht Tas in der 11er-Lotterie den Kürzeren

In der Liga läuft es derzeit beim SV Tasmania (sechs Siege in Folge), da sollte doch auch die Aufgabe im Pokal bei der klassenniedrigeren Fortuna aus Biesdorf zu lösen sein, oder?! Doch es war vor schon vor Spielbeginn klar, dass das heute eine harte Nuss zu knacken werden würde, denn auch der Tabellensechste der Landesliga-Staffel 2 aus Biesdorf ging mit drei Liga-Siegen in Folge im Gepäck in das Spiel und rechnete sich sicher auch zu Hause gegen die Neuköllner etwas aus. Zu Recht, wie sich zeigen sollte…

Tas verpasst höhere Führung

Torschütze: Romario Hartwig

Das Spiel begann etwas verhalten, wobei schnell klar wurde, dass Tasmania nicht vorhatte, den Landesligisten hier an die Wand zu spielen. Vielmehr hatten die Biesdorfer in der ausgeglichenen Anfangsphase aufgrund einiger Unkonzentriertheiten in der Neuköllner Defensive sogar die besseren Torabschlüsse, auch wenn es nie wirklich gefährlich für Tasmania-Torwart Robert Schelenz wurde. Stattdessen ging Tasmania auf der anderen Seite gleich mit dem ersten gefährlichen Angriff in Führung. Auf der linken Seite kam Damian Tiedmann hinter die letzte Biesdorfer Abwehrreihe und spielte einen scharfen Ball in die Mitte, der dort Richtung Tor abgefälscht wurde und den Biesdorfer Keeper zu einer Parade zwang. Am zweiten Pfosten lauerte jedoch Romario Hartwig, der den Abpraller bekam und aus kurzer Distanz einschob (17.).

Nun könnte man vom abgebrühten Klassenhöheren sprechen, der nicht mehr macht als nötig, seine wenigen Chancen aber eiskalt nutzt. Tasmania versäumte es in der Folge jedoch, den Biesdorfern gleich einen Doppel- oder sogar „Tripleschlag“ zu verpassen, der durchaus möglich gewesen wäre. Denn nur kurz nach dem Führungstreffer traf Nicola Thiele mit einem Gewaltschuss nur das Lattenkreuz (20.) und wiederum nur kurz darauf wurde ein Schuss von Emre Demir nach einer schönen Kombination über Fabio Engelhardt auf der rechten Seite erst im allerletzten Moment noch abgeblockt.

Danach ließ Tas aber wieder vom Gegner ab und es stattdessen etwas ruhiger angehen. Lediglich gegen Ende der ersten Halbzeit bot sich Tasmania noch eine gute Chance, als Demir einen schlechten Abschlag des Biesdorfer Torwarts abfing, noch einen Gegenspieler umkurvte, dann aber vor dem Keeper der Hausherren keinen vernünftigen Druck mehr hinter seinen Linksschuss brachte, der so leichte Beute für den Torhüter war. Ansonsten entwickelte sich ein ähnliches Spiel wie gegen Croatia am Sonntag davor: ein was die Spielanteile betrifft ziemlich ausgeglichenes Spiel, in dem Tasmania aber die deutlich besseren Torchancen hat und daher auch nicht unverdient in Führung zur Pause in Führung liegt.

Spielvorteile schwinden in Überzahl

Pechvogel Nr. 1: Yildirim Tokmak

In der zweiten Halbzeit gestaltete Tasmania das Spiel zunächst souveräner. Zwar ohne die letzte Konsequenz, aber kontrolliert verwaltete man das Spiel, während die Biesdorfer nun kaum noch gefährlich nach vorne kamen. Die Dinge schienen ihren erwartungsgemäßen Verlauf zu nehmen… Noch mehr galt dies, als ein Biesdorfer Spieler nach einer knappen Stunde mit Gelb-Rot das Feld verlassen musste. 1:0 in Führung, in Überzahl: eigentlich eine formidable Ausgangsposition – wenn man nicht aus Erfahrung wüsste, dass Tas die Zügel in solchen (vermeintlich) komfortablen Situationen manchmal etwas zu sehr schleifen lässt…

Insofern kam es schon fast nicht mehr überraschend, dass in der 66. Minute aus dem sprichwörtlichen Nichts heraus plötzlich der Ausgleich für die Gastgeber fiel. Einen Einwurf konnte der Biesdorfer Christopher Lehmus im Tasmania-Strafraum quasi ungestört annehmen, sich fast ebenso unbehelligt um seinen Gegenspieler drehen, um den Ball dann zur Überraschung aller aus spitzem Winkel mit links unter die Latte zu nageln. Nun kippte das Spiel und es entwickelte sich (eigentlich erst jetzt) ein klassischer Pokalfight, in dem der vermeintliche Underdog gegen den vermeintlichen Favoriten Morgenluft witterte. Zwar blieb Tas optisch am Drücker und wollte die Führung zurückerobern, schließlich war man ja immerhin noch in Überzahl. Doch einerseits änderte sich letzteres in der 78. Minute, als Yildirim Tokmak seine zweite Gelbe Karte sah und vom Platz musste; andererseits münzte Tas die optische Überlegenheit ohnehin nicht in mehr als Halbchancen von Hartwig und Thiele um. Vielmehr wurden die Biesdorfer bei ihren Kontern nun immer gefährlicher und die Defensive Tasmanias immer wackeliger, so dass am Ende gar nicht mehr eindeutig zu sagen war, wer sich hier eigentlich in die Verlängerung rettete.

Keine Tore in der Verlängerung

Pechvogel Nr. 2: Kiminu Mayoungou

In dieser bot sich Tasmania gleich in der 94. Minute zunächst eine Riesenchance zur erneuten Führung. Eine Eingabe von rechts verlängerte der eingewechselte Yakup Coskun mit der Hacke in die Mitte, wo Julian Loder an den Ball kam, ihn aus kurzer Distanz jedoch übers Tor jagte. Ansonsten bot sich den Zuschauern jedoch ein ähnliches Bild wie in der letzten halben Stunde der regulären Spielzeit. Mehr Ballbesitz und optische Überlegenheit für Tas, allerdings verpufften die Angriffe ein ums andere Mal, während sich auf der anderen Seite für die Gastgeber immer größere Räume zum Kontern boten. Die daraus resultierenden Chancen konnten die Hausherren allerdings auch nicht nutzen. Dies artete kurz vor Ende der Verlängerung schon fast in Slapstick aus, als einer ihrer Stürmer mutterseelenallein vor Tas-Torwart Schelenz auftauchte, jedoch vor lauter Einsamkeit oder Entscheidungsschwäche ins Straucheln kam. Im Fallen brachte er den Ball zwar noch an Schelenz vorbei, doch inzwischen war Tiedmann zurückgeeilt und klärte per Kopf auf der Torlinie (118.).

Mit dieser Einlage ging es ins Elfmeterschießen, in dem die Gastgeber bessere Nerven bewiesen als noch kurz davor. Zwar ging Tasmania auch hier in Führung, als Schelenz den dritten Elfmeter der Biesdorfer abwehrte, und hatte, nachdem Arber Shuleta, Thiele, Tiedmann und Demir für die Neuköllner allesamt getroffen hatten, schon den Siegtreffer auf dem Fuß, doch Kapitän Kiminu Mayoungou konnte als fünfter Schütze nicht verwandeln. So ging auch das Elfmeterschießen in die Verlängerung. Nachdem zwei Biesdorfer sowie der eingewechselte Felix Robrecht für Tasmania trafen, vergab Coskun als siebter Schütze der Neuköllner und die Gastgeber lagen sich jubelnd in den Armen. Den Fehlschützen sei jedoch gesagt: Kopf hoch, Jungs! Das ist schon ganz anderen passiert und es wird euch niemand übelnehmen!

Ansonsten kann man dieses Spiel wohl als klassisches Pokalspiel einordnen: der Favorit geht erst in Führung, hat die Sache eigentlich im Griff, kann aber den Sack nicht zu machen; der Außenseiter macht aus dem Nichts den Ausgleich, bekommt dann auf heimischem Geläuf Oberwasser und hat im Elfmeterschießen das Glück auf seiner Seite. Von daher sollte man das Ausscheiden aufseiten Tasmanias auch nicht überbewerten. Es war ja kein Fallobst, gegen das man da heute gespielt hat, und am Ende hat eben das nötige Quäntchen Glück gefehlt – kann passieren. Dieses Pokalaus sollte der ansonsten derzeit ja gut aufgelegten Mannschaft von Tim Jauer daher keinen Knacks für die Liga verpassen, was sie am kommenden Sonntag bei den Spandauer Kickers am besten gleich unter Beweis stellen sollte.

Spielbericht: Vittorio Kowalski
Fotos (3): SV Tasmania/Schikowski(2), Nickelé(1)

SV Tasmania: Schelenz – Tiedmann, Mayoungou, Loder, Engelhardt (106. Robrecht) – Tokmak, Shuleta – Thiele, Demir, Hartwig (101. Baker) – Kirschner (80. Coskun).
Tore: 0:1 Hartwig (17.), 1:1 Lehmus (66.).
Zuschauer: keine Angabe
Besondere Vorkommnisse: Gelb-Rote Karten für Reiss (57., Biesdorf) bzw. Tokmak (78., Tasmania)

Nächstes Spiel: Sonntag, 21. Oktober 2018, um 12:30 Uhr bei den Spandauer Kickers auf der Sportanlage Staaken-West (Brunsbütteler Damm 441, 13591 Berlin).