SV Tasmania Berlin 2 - 1 TuS Makkabi

5. June 2017 - 11:00 Uhr - Werner-Seelenbinder-Sportpark
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Tasmania gewinnt „Ananas-Spiel“ gegen Makkabi

Nur Fliegen ist schöner: Nach seinem Kopfballtor zum 2:0 macht sich Mehmet Okan Kirli (M.) bereit zum Abheben (Foto: SV Tasmania/Estella Shaina Nickel)

 

2:1-Sieg durch Tore von Schikowski und Kirli +++ Geehrter Rogoli vergibt Elfmeter kurios +++ Auch Penava wird verabschiedet +++

Spielbericht: Hagen Nickelé

Wenn zwei Teams die Erlaubnis vom BFV bekommen, ihre Partie vom letzten Spieltag der Saison um zwei Wochen vorzuziehen – dann müssen diese beiden Clubs jenseits von Gut und Böse sein, denn sonst käme ja eine Wettbewerbsverzerrung in Betracht. Dass der Gegner vom Pfingstmontag, der TuS Makkabi, in den Genuss dieser Maßnahme kam, kann aus Sicht des Aufsteigers dabei nur als Zeichen einer erfolgreichen Spielzeit gewertet werden.

Dass der SV Tasmania zwei Spieltage vor Saisonende aus dem Rennen ist, muss dagegen als Fortsetzung der Enttäuschungen in den letzten Jahren gewertet werden – diese Saison aber mit dem kleinen Unterschied, dass man dem Team eine Platzierung ganz vorne eher weniger zugetraut hatte. Die angesprochene Enttäuschung resultiert eher aus dem Saisonverlauf: nach einer starken Hinrunde keimten die Hoffnungen in Neukölln doch schon wieder kräftig.

Die Rückserie verlief dann aber doch im Großen und Ganzen nicht gut genug, so dass der Zug beizeiten abgefahren war. So also ging es am Pfingstmontag nur noch um die sprichwörtliche „Goldene Ananas“ bzw. eine Woche mehr Regeneration vor Beginn der Vorbereitung 2017/18. Unter diesen Umständen war eine eher schwache Begegnung zu erwarten, die ungewöhnliche Anstoßzeit um 11 Uhr sprach ebenso dafür.

 

Tasmania vs Makkabi am Pfingstmontag – da war doch was?

Drei Jahre zuvor waren beide Teams das letzte Mal im Werner-Seelenbinder-Sportpark aufeinander getroffen – unter ganz anderen Vorzeichen, aber mit reichlich Parallelen. Es war der vorletzte Spieltag der Saison 2013/14 und die Begegnung war als einzige auf den Pfingstmontag gelegt worden – denn: Tasmania als Tabellenzweiter spielte noch um den Aufstieg als Konkurrent des FC Hertha 03 und war am Mittwoch zuvor noch im Einsatz gewesen – nämlich im Pokalfinale gegen den FC Viktoria 89, das mit 1:2 verloren ging.

Die Mannschaft des damaligen Trainers Abu Njie sollte etwas Zeit zum Verschnaufen im Titelrennen erhalten, die ungewöhnliche Anstoßzeit um 16.30 Uhr die heißesten Temperaturen dazu umgehen. Die Tasmanen mussten allerdings nicht nur die Finalniederlage physisch und psychisch verkraften, sondern auch die Tatsache, dass die Aufholjagd gegenüber Hertha 03 von 10 Punkten auf nur noch einen kurz vor Saisonende quasi stecken geblieben war. Tags zuvor hatten die Zehlendorfer erst bei sengender Hitze den SC Staaken auf dessen Kunstrasen mit 6:2 demontiert und vorgelegt. Die Tasmanen standen also unter Zugzwang – und Makkabi war längst abgestiegen.

Am Pfingstmontag um 16.30 Uhr herrschte dazu drückende Schwüle in Neukölln und alles schien von einem merkwürdigen Nachmittag zu künden. Das torlose Halbzeitergebnis ließ dann für den letzten Spieltag zumindest noch eine theoretische Chance auf den Aufstieg. Doch als da Costa die Gäste in Führung brachte, kündigte sich das Unheil an – zumindest aus Sicht Tasmanias. Nicht sonderlich frisch und ideenreich spielte der Favorit auf – dennoch gelang der Ausgleich durch Jack Grubert in der 81. Minute.

Sollten die Tasmanen wie so oft das Ruder in den Schlussminuten noch herumreißen? Sie brachten jedoch nicht mehr viel zu Stande. Dann kam die letzte Minute, Makkabi spielte den müden Gastgeber noch einmal durcheinander und Jesucristo Kote Lopez (war auch dieses Mal für Makkabi im Einsatz) versetzte Tasmania den Todesstoß mit seinem Tor zum 2:1-Sieg der Gäste. Pokalfinale verloren, Spiel verloren, Meisterschaft verloren – die Aufholjagd hatte ein jähes Ende gefunden, einen Spieltag vor Ende der Saison. Tasmania gegen Makkabi – nicht selten ging diese Paarung zugunsten der Unseren aus, hängen geblieben ist aber vor allem dieses 1:2.

 

Salvatore Rogoli wird verabschiedet

Ganz groß: Salvatore Rogoli wird vor dem Spiel verabschiedet (Foto: SV Tasmania/E. S. Nickel)

Wo so mancher Spielbericht nach dieser Zeilenzahl beendet ist, geht es nun also erst los. Oder auch nicht – denn zuerst gilt es zu erwähnen: vor dem Spiel wurde Salvatore Rogoli verabschiedet. Der Italiener war quasi Laufwunder und Edeltechniker in einem und wurde dadurch schnell nach seinem Wechsel an die Oderstraße in jeglicher Beziehung unersetzlich. Vor dem Spiel wurde Rogoli also offiziell mit Blumenstrauß und Ansprache sowie einer Fan-Choreographie bedacht. Zvonimir Penava fehlte zu diesem Zeitpunkt noch – der langjährige Kapitän beendet seine Karriere (im Gegensatz wohl zu „Salvi“) und sollte ebenso offiziell in den Ruhestand geschickt werden.

Eine Woche zuvor war ja bereits Ronny Ermel mit Blumenstrauß bedacht worden – der Dritte im Bunde der „goldenen Generation“, der den Verein verlässt. Lange her scheinen die Erfolge der „Unvollendeten“ – zweimal erst im Pokalfinale gescheitert, zweimal knapp den Aufstieg verpasst – doch die „Klasse von 2014 und 2015“ ist eigentlich noch ganz nah – und doch schon wieder Vereinsgeschichte.

 

Frühes Schikowski-Tor – Vorlage: Rogoli…!

Jung und Alt: Torschütze Christoph Schikowski (l.) bedankt sich bei Vorbereiter Salvatore Rogoli (Foto: SV Tasmania/E. S. Nickel)

Und, wurde jetzt gespielt am Pfingstmontag, oder nicht? Ja, es wurde – und zunächst sogar ganz gut. Die Mannschaft schien den frühen Anstoß besser zu verkraften als so mancher Fan und ging zeitig in Führung. Der Regisseur dieser Szene verdiente sich einen Extrapunkt. Schließlich war es Salvatore Rogoli, der von rechts den jungen Christoph Schikowski bediente, der für das 1:0 sorgte (7.). Vergangenheit und Zukunft des SV Tasmania hatten sich in dieser Situation quasi die Hand gereicht.

Kurz darauf hätte sich Mark Schmidt in die Liste der denkwürdigen Begebenheiten eintragen können, doch bei seinem Schuss von der Strafraumgrenze stand der gegnerische Torwart Schmidts erstem Treffer seit Beginn der Internetstatistiken im Weg. Auch das tolle Solo von Vahit Engin (34.) hätte ein besseres Ende verdient gehabt, bekam aber mit dem abschließenden Pfostenkracher zumindest einen angemessenen Knalleffekt.

Dann wurde es aber wieder richtig anrührend: Christoph Schikowski servierte eine schöne Flanke, die Mehmet Okan Kirli kurzerhand zum 2:0 ins Makkabi-Tor einköpfte (36.). Die Charlottenburger waren allerdings bis hierhin schon keinesfalls chancenlos, bekamen ihre beste Möglichkeit aber in der 40. Minute, als Torwart Robert Schelenz glänzend einen Kopfball des Gegners parieren konnte. Es handelte sich aber lediglich um eine „Vorwarnung“ der Gäste: denn zwei Minuten vor der Pause gelang ihnen der verdiente Anschlusstreffer durch May Mecha.

 

Rogoli auf den Spuren Beckhams

Nach der Pause trug sich nur noch eine bemerkenswerte Spielsituation zu: der SV Tasmania bekam einen Foulelfmeter zugesprochen, und nun war natürlich Salvatore Rogoli mit der Ausführung an der Reihe. Der „Regisseur des Spiel-Films“ machte sich hier aber richtig unbeliebt, ließ er den vor Beginn noch Gefeierten doch beim Schuss wegrutschen und seinen Strafstoß dadurch meterweit über das Tor segeln (49.). In etwa also so, wie es David Beckham im EM-Viertelfinale 2004 passierte.

Das Spiel blieb so zwar weiter offen, hatte aber nur noch wenig Aufreger zu bieten. Gar nicht gut an kam auch, dass „Man of the Match“ Schikowski (1 Tor, 1 Assist) nach einem völlig unnötigen Rempler eines Widersachers an der Seitenlinie gegen die Abgrenzung prallte und ausgewechselt werden musste.

 

Auch Penava bekommt „seinen“ Abschied

Der Käpt’n geht von Bord: Zvonimir Penava (Foto: SV Tasmania/Hagen Nickelé)

Am Ende aber stand das 2:1 für die Tasmanen und die Saisonabschlussfeier konnte zur Mittagszeit über die Bühne gehen. Mittlerweile war auch Zvonimir Penava erschienen und konnte seine Verabschiedung miterleben. Auch das schon vor längerer Zeit angefertigte Transparent der Tasmanischen Teufel – Penavas Abschied war schon mal angekündigt worden – kam nun zum Einsatz.

Schon mit 30 Jahren macht der langjährige Tasmania-Kapitän Schluss – sicher auch eine Folge seines Spielstils. Der Deutsch-Kroate schonte sich und seine Gegner nicht und glänzte stets mit unbändigem Kampfgeist – eben ein Kapitän, den man an der Oderstraße nicht vergessen wird.

Zur kompletten Fotogalerie von Estella Shaina Nickel

SV Tasmania: Schelenz; Schmidt (72. Hirik), Loder, Bähr, Kallensee; Asma; Kirli, Rogoli, Tiedmann; Schikowski (54. Samardžić), Engin (88. Hassane).
Tore: 1:0 Schikowski (7.), 2:0 Kirli (36.), 2:1 May Mecha (43.).
Besonderes Vorkommnis: Rogoli verschießt Foulelfmeter (49.).
Zuschauer: nicht genannt