SV Tasmania Berlin 2 - 2 SP.VG. Blau-Weiß 90

27. May 2017 - 14:00 Uhr - Werner-Seelenbinder-Sportpark
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Sieg verpasst bei Sommerhitze

Tas ohne Ermel: Kaum zu glauben, aber nach vier Jahren wird die 1. Herren ohne Ronny Ermel auskommen müssen. Präsident Wilde (r.) verabschiedete am Samstag Tasmanias Kapitän (M.). Foto: SV Tasmania/E. S. Nickel

 

Zweimalige Führung durch Rogoli reicht nicht zum Erfolg +++ Ronny Ermel wird vor dem Spiel verabschiedet +++ DFB-Pokalfinale lockt wieder Gastfans in den Seelenbinder-Sportpark +++ 245 Besucher bei strahlendem Sonnenschein

Spielbericht: Martin Senz
Bestes (Fußball-) Wetter, der Abschied von Kapitän und Abwehrraubein Ronny Ermel, Tasmania und Pokalfinale samt neugieriger Fans der teilnehmenden Vereine und dazu obendrein das Duell der Ex-Bundesligisten – 245 Zuschauer sorgten für einen würdigen Rahmen und wurden mit einem starken Kampfspiel belohnt. Einzig das Endergebnis wollte nicht zum Spielverlauf passen, den bisweilen drückend überlegen Tasmanen gelang es nicht, eine zweimalige Führung über die Zeit zu bringen.

 

Frühe Führung dank druckvollem Spiel

Doppelpack: Salvatore Rogoli

Tasmania begann druckvoll und zeigte gleich, wer Herr im Haus ist. Chancen entstanden, gleich zweimal musste der 90er Keeper aus seinem Kasten eilen und retten. Doch nach acht Minuten endlich die frühe Führung für die Guten: Angriff über rechts, Vahit Engin verpasst noch in der Mitte, doch dahinter lauert Salvatore Rogoli und vollendete in das verwaiste Tor. Tas blieb am Drücker, nach Freistoß von Tolgay Asma kam der Ball über Umwege auf diesen zurück, doch die schöne Direktabnahme griff sich der Torwart sicher. Durch den Rückstand wurde auch Blau-Weiß genötigt, sich mehr am Spiel zu beteiligen und es entstand ein schöner Schlagabtausch.

Überraschend offensiv agierte unser Kapitän Ermel, von dem gleich mehrere Spieler ge-Ronny-t wurden; also unsanft, aber noch regelkonform vom Ball getrennt. Daneben ackerte der seit Wochen auffällige Lucas Bähr in der Innenverteidigung und entwickelt sich zum legitimen Nachfolge-Ronny. Tas übernahm alsbald das Zepter und schnürte die Gäste ein und hätte hier schon nachlegen müssen. Nach rund einer halben Stunde dabei möglicherweise Foul im Strafraum, doch die Schiedsrichterin ließ hier weiterlaufen.

Umso verwunderlicher, dass sie manchen doch arg schnell zu Boden fallenden Gästespielern Freistöße zusprach. Die freche Schwalbe von Yasin Demir in der 40. Minute ließ sie zu Recht weiterlaufen.Wie schon gegen Staaken fehlte kurz vor der Halbzeit die Konzentration und die Gäste wurden offensiver. Es blieb allerdings bei der Führung zur Halbzeit, weil Blau-Weiß das Chaos in der Abwehr nicht nutzte, als auch Keeper Robert Schelenz das Leder nicht zu fassen bekam oder Kitzing abgeblockt wurde.

2-mal unnötiger Ausgleich in der 2. Hälfte

Aus und vorbei: Ronny Ermel sagt „good-bye“

Unmittelbar nach Wiederanpfiff versuchten die Gäste, Tas kalt zu erwischen, liefen allerdings in einen Konter über Rogoli, der an der Eckfahne vereitelt wurde. Im Gegenzug der überraschende Ausgleich. Kuche stocherte das Leder in’s Netz und plötzlich waren auch die Gästeanhänger mal zu hören. Dann wurde auch bei Blau-Weiß mit Rani Al-Kassem ein Fußballurgestein eingewechselt, der allerdings erst einmal mit einem Querschläger in der eigenen Defensive für Gefahr sorgte. Erneut nahm Tasmania die Zügel in die Hand und erarbeitete sich zahlreiche Chancen. Einen Kopfball von „Nemo“ Samardzic fummelte der Gästekeeper mit den Fingerspitzen über die Latte und hielt seine Farben im Spiel.

Apropos „Farben“: warum die Gäste keine Ausweichtrikots trugen, erschloss sich dem geneigten Zuschauer nicht. Farblich nahmen sich die Mannschaften nichts und bei prallem Sonnenschein musste man auch mal zweimal hinschauen, ob der Spieler zur eigenen oder gegnerischen Mannschaft gehört. Sei’s drum: Tasmania stürmte und belohnte sich endlich. Nach genau einer Stunde zirkulierte der Ball perfekt und der Doppelpass zwischen Rogoli und Florian Medrane hebelte die Verteidigung aus, so dass Rogoli sein zweites Tor erzielen konnte. Es folgte erneuter Zauberfußball der Tasmanen, die hier längst das Spiel entscheiden mussten. Leider verpasste „Kampfschwein“ Vahit Engin die eine oder andere Möglichkeit, zudem pfiff Referee Kobelt gern gegen Tas. So wurde zunächst ein Konter wegen vermeintlichem Foulspiels Rogolis unterbunden, dann ein ebenso fragliches Abseits gegen Engin entschieden.

Wie so oft rächte sich dies: Blau-Weiß stocherte erneut den Ausgleich rein und der Gästeanhang erwachte aus dem Dornröschenschlaf. Diesmal sogar bis Spielende. Nun war alles möglich: erst rettete unser Robert Schelenz in höchster Not, im Gegenzug verfehlte Engin. Die letzte Möglichkeit hatte Tolgay Asma vollkommen ungedeckt auf dem Fuß, doch sein Schuss aus der Drehung verfehlte ebenso das Tor. Kurz darauf war Schluss und unter Tasmanen rätselte man hinterher noch, wie man so ein Spiel nicht gewinnen kann.

Gegner bastelt am Aufstieg 2017/18

Das scherzhafte „dann gewinnen wir eben nächstes Jahr beide Spiele!“ wurde reichlich humorfrei mit einem „Von was träumt ihr denn?“ seitens eines vorbeilaufenden Gästefans entgegnet. Das daraufhin erschallende „Blau-Weiß 90 – Shopping Queen!“ war die angemessene und passende Antwort. Denn in der werten Nachbarschaft wird derzeit aufgerüstet, um nächstes Jahr aufzusteigen. Dabei behilflich ist ein Investor, der beim Aufräumen wohl ein paar Geldsäcke fand und sich dort „engagiert“. ​ „Drehen Sie sich um, Frau Lot!“ lautet ein Titel des Satirikers Kishon in Anspielung auf den biblischen Untergang Sodoms und Gomorrhas (passend zum Kirchentag!), als ein Gottesbote dem Gerechten Lot die Rettung aus der Stadt anbietet, solange er und die Seinen ausschließlich nach vorn schauen und sich nicht (in Wehmut) noch mal der Stadt zuwenden.

Bekanntlich trauerte Frau Lot dem Lotterleben nach und drehte sich um – ähnlich geht es vielen Fußballgrößen der Stadt. Der Traum von altem Glanze lockt, Investoren aber kommen und gehen, hinterlassen dann in der Regel Schutt und Asche und eben größere Tristesse als vorher. Ist es das wert? Der unterklassige Berliner Fußball ist gesäumt mit den Salzsäulen der Hoffnungen auf Glanz und Gloria. Das nächste Spiel unseres SV Tasmania ist bereits am 05. Juni (dem Pfingstmontag!) um 11:00! Kommt zahlreich, Frühstücksfußball mit Grill! Alles Gute Ronny Ermel! Viel Erfolg als Co-Trainer beim BAK – außer gegen Tas!

Zur kompletten Fotogalerie von Estella Shaina Nickel

Fotos (2): SV Tasmania/Hagen Nickelé

Aufstellung: Robert Schelenz – Ronny Ermel (C), Nemanja Samardžić, Lucas Bähr, Mehmet Okan Kirli – Mark Schmidt ​, Tolgay Asma, Yildirim Tokmak, Florian Medrane, Salvatore Rogoli – Vahit Engin
Auswechslungen: Zihni Taner Hirik für Mehmet Okan Kirli (85.)
Tore: 1:0, 2:1 Salvatore Rogoli (8. / 60.) 1:1 Sascha Kuche (48.) 2:2 Jannis Steinert (82.)