SC Staaken 1 - 0 SV Tasmania Berlin

27. November 2016 - 14:00 Uhr - Sportpark Staaken
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Tasmania verliert Topspiel unglücklich

Gut gedeckt: die Spieler beider Teams ließen sich nur selten aus den Augen (Foto: SV Tasmania / Estella Shaina Nickel)

 

Spielbericht von Martin Senz
Das Spitzenspiel der Berlin-Liga wurde von Beginn an energisch und taktisch geführt und fand mit den Gastgebern einen etwas glücklichen Sieger. Das einzige Tor wurde durch einen fragwürdigen Elfmeter erzielt, geschwächt durch zwei Platzverweise in der zweiten Hälfte gelang der Ausgleich nicht mehr. Tasmania war trotz einiger Ausfälle und angeschlagener Spieler die aktivere Mannschaft mit den besseren Möglichkeiten, erst gegen Ende nutzte Staaken den sich bietenden Raum zum Kontern, verpasste aber seinerseits das entscheidende zweite Tor.

Auswärtsspiele in Staaken stellen die geneigten Auswärtsfahrer vor mehrere Probleme. Eine weite Anreisestrecke, der eisige Wind der brandenburgischen Steppe, die in unmittelbarer Nachbarschaft beginnt und nicht zuletzt die eher mäßige Ausbeute in den letzten Spielen dort. Dazu kommt ein Kunstrasenplatz, auf dem die Bälle merkwürdig (ver-)springen und somit der Zufall immer ein Stück weit mitspielt. Trotz alledem reiste auch diesmal eine beachtliche Delegation tasmanischer Wanderer an, die eine durchaus würdige Kulisse für dieses Spitzenspiel beisteuerten.

Tasmania begann gewohnt stark und suchte den Weg nach vorne, musste aber gegen den erfolgreichsten Angriff der Liga defensiv immer auf der Hut bleiben. Es wurde schon früh
um jeden Ball gekämpft, Mark Schmidt und seine Verteidigerkollegen lieferten gleich großartigen Kampfgeist. Nach rund einer Viertelstunde folgten auch die ersten Möglichkeiten. Benjamin Gaudian – im gesamten Spiel auch als „Mr. Lufthoheit“ unterwegs – hatte die erste Chance, köpfte das Leder über das Tor. Aleksandar Marjanović und noch mal Gaudian konnten weitere Abschlüsse erzielen, aber das Tor wollte nicht auf unserer Seite fallen.

Dies geschah dann auf der anderen Seite mit reichlich Schützenhilfe des Schiedsrichter-Gespanns. Zunächst übersahen sie das Nachtreten Bahcecis, der den Ball im Zweikampf mit Tolga Sahin verlor, da schon nachhakte und nach dessen Pass zu Yildirim Tokmak diesem dann in die Hacken trat. Der Schiedsrichter hatte beste Sicht und hätte sich auch nach Ablauf des Vorteils den Sturmtank der Staakener mal zur Brust nehmen können. In der 43. Minute erfolgte dann der Knackpunkt des Spiels. Tas kriegte den Ball nicht aus dem Strafraum, bis die Kugel dann anscheinend geklärt wurde, aber vom Referee zurückgepfiffen und plötzlich Elfmeter entschieden wurde. Die Staakener reklamierten Handspiel, der Unparteiische entschied auf Foulspiel – beispielhaft für diese wahrlich undurchsichtige Situation.

Die Gastgeber nutzten diese Vorlage durch Koschnik, der den Ball platziert flach rechts einschoss. Staaken hatte nun Oberwasser und setzte nach, noch vor dem Pausenpfiff der nächste Aufreger. Im Strafraum jagten ein Staakener und ein Tasmane einem verirrten Ball nach und prallen unglücklich ineinander, wobei der Staakener besonders laut schreiend zu Boden ging. Ob Theatralik oder authentischer Schmerz: die Emotionen kochten hoch und Mehmet Okan Kirli handelte sich Gelb ein.

In der zweiten Halbzeit musste Tas nun weiter sein Heil im Angriff suchen, Staaken konnte sich auf das Kontern verlegen. Kirli aus der Distanz und Gaudian mit einem volley genommene Heber knapp über das Tor zeigten, wie es gehen kann, doch auch Staaken blieb bei Gegenstössen gefährlich. Die beste Möglichkeit wurde Gaudian genommen, der mit einem hohen Ball auf die Reise geschickt wurde, sich geschickt löste und frei auf das Tor marschierte. Zur Überraschung aller entschied der Linienrichter aber fälschlicherweise auf Abseits und Gaudian wurde obendrein per Rempler noch unsportlich zu Boden befördert.

Trainer Mario Reichel reagierte und brachte Metin Karasu, der gar nicht spielen sollte und unter Schmerzen auflief. Dies sah man ihm nicht an, schnell sorgte er für Alarm in der gegnerischen Defensive. Doch kurz darauf änderten sich die Verhältnisse. Zunächst musste der gewohnt fleissige und engagierte Kirli mit Gelb-Rot vom Feld (69. Minute) und fehlt Tas nun auch gegen Mahlsdorf. Ohne den Flügelflitzer spielt die Mannschaft nach vorne und Gaudian köpft eine Ecke wuchtig knapp über den Querbalken.

Doch zu allem Unglück hatte Guske auf der anderen Seite durch einen Fehler freie Fahrt, wird von Nemanja Samardzić kurz gehalten und als der Staakener nach zwei, drei Schritten erkannte, dass der Ball nicht mehr zu erreichen ist, sank er zu Boden. Sicher ein Freistoß, aber der Schiedsrichter Marcel Richter setzte noch die Rote Karte oben drauf. Den folgenden Freistoß hämmerten die Staakener an die Latte.

Mit der Führung und mit zwei Mann mehr auf dem Feld machten sich nun erstmals Teile des Heimpublikums bemerkbar, die die Schlachtrufe der Tasmanen nachäfften. Ganz großes Hallensteckhalma! Trotz alledem: Tas steckte nicht auf, spielte weiter nach vorne, doch Fortuna trug am Sonntagnachmittag keine tasmanischen Farben. Staaken hatte nun richtig Platz zum Kontern, vergeigte aber die sich bietenden Chancen kläglich oder scheiterten am Torwartgott Robert Schelenz, der gegen Ende auch die Freistösse aus der eigenen Hälfte trat.

Trotz der Niederlage war der Trainer vollkommen zu Recht mit der Leistung zufrieden. In der ersten Hälfte stärker und nach zwei Platzverweisen weiter offensiv fehlten Zentimeter und an manchen Stellen das Glück. Staaken ist somit vorläufig Erster, hinter Tas unterlag Stern 1900 überraschend Al-Dersimspor und Croatia beim kommenden Gegner Eintracht Mahlsdorf.

Photo: Shaina Nickel – Das komplette Set hier

Aufstellung: Schelenz – Loder, Kirli, N. Samardzic, Ermel, Kallensee – Tokmak, Marjanović, Schmidt – Gaudian, Sahin
Einwechslungen: Karasu für Marjanović (63. Minute), Maaß für Kallensee (89. Minute)

Tor: 1:0 Koschnik (43., Foulelfmeter)