DJK Schwarz-Weiß 3 - 2 SV Tasmania Berlin

3. December 2017 - 11:00 Uhr - Stadion Britz-Süd
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Schwarzer Mittag in Britz-Süd

Vergebens: Auch die Schlussoffensive inklusive Torwart Schelenz (rotes Trikot) brachte Tasmania nichts mehr ein (Foto: SV Tasmania/E. S. Nickel)

 

Frühe Führung durch Hartwig +++  Gastgeber drehen das Ergebnis zur Pause +++ Kirschner gleicht aus +++ Tas in der Schlussphase ausgekontert +++ Spitzenduo wird noch vor der Winterpause erwartet

Ein munteres „Derby“,  insgesamt drei verhinderbare Gegentore beim Vorletzten und deshalb eine unnötige Niederlage: was den Gastgebern bislang in der Saison an Glück fehlte, gab es mit Zinsen zurück. Der Neuköllner Preis für freundschaftliche Nachbarschaftshilfe geht in dieser Hinrunde definitiv an Tas. Während die Gastgeber im Abstiegskampf wichtige Punkte sammeln, muss Tasmania in der Tabelle Croatia vorbeiziehen lassen.

Frühe Führung bis zur Pause verspielt

Joker: Einwechsler Leonard Kirschner traf zum 2:2

Manchmal ist das Leben als Fußballfreund im Berliner Fußball kein Zuckerschlecken. Der Anstoß um 11.00 morgens, sportliche acht Euro für Vollzahler und eine etwas alberne Flüstertüte in den Reihen der Heimfans – als kleine Entschädigung wurde immerhin im pittoresk beflaggten Stadion gespielt, wärmender Kaffee konnte dazu im Vereinsheim erstanden werden. Das Spiel schien dabei zunächst auf einen erfreulichen Ausgang für die Tasmanen hinzudeuten. Die Sonne schien und nach elf Minuten die Führung: eine Flanke von rechts konnte der Keeper der Schwarz-Weißen noch abwehren, doch einmal mehr stand Romario Hartwig goldrichtig und staubte fein ab. Die frühe Führung gegen das Kellerkind entpuppte sich allerdings einmal mehr als Gift. Der nahtlose Übergang zum Beamtenfußball Marke „der Kollege wird’s schon richten“ wurde postwendend bestraft, denn der DJK spielte mit und tastete sich nach vorne.

Nach einer Ecke konnte ein erster Versuch noch auf der Linie gerettet werden, doch der Ball blieb gefährlich und beim zweiten Anlauf lag der Ball schließlich im Netz (18.). Tasmania wurde wieder aktiver und gelangte immer wieder durch die ebenfalls nicht immer sattelfeste Defensive der Britzer. Symbolcharakter hatte eine Klärungsaktion der Gastgeber auf der Linie, als kein Tasmane bereit stand und abstaubte. Selbst ein Ecken-Quartett brachte keinen Erfolg, wobei die letzte in dieser Reihe wenigstens mal nicht kurz auf den ersten Pfosten gespielt wurde, sondern fast den am langen Pfosten lauernden Hartwig erreichte – dem allerdings wenige Zentimeter fehlten.

Umgekehrt konterte Schwarz-Weiß, aber trotz riesiger Lücken hinten vertändelte der Adressat im Strafraum das Leder. Kurz darauf fiel dann doch die überraschende Führung für die Gastgeber. Wieder einmal schaffte es keiner, den Ball aus der Gefahrenzone zu bringen, so dass ein hoher Ball auf Montoya gebracht wurde, der per Fallrückzieher traf. Dabei stand er zwar stark abseitsverdächtig vor Keeper Robert Schelenz, die Nachbetrachtung der Spielszenen per Video ergab allerdings, dass alles mit rechten Dingen zuging. Ein verteidigender Spieler war einfach nicht schnell genug herausgerückt.

Nun musste Tasmania reagieren. Der fleißige Mehmet Okan Kirli hatte dabei zwei Gelegenheiten, bis Hartwig mit einem tollen Solo am Strafraum sich Platz verschaffte, aber an einer starken Fußbabwehr des Torwarts scheiterte. Auch die tasmanische Abwehr stand bisweilen neben sich: insbesondere der erwähnte Montoya störte erfolgreich und sorgte für Gefahr, doch Schelenz war auf dem Posten. Auch Tas-Außenverteidiger Eddie Udeoka machte vorne Druck, setzte sich gegen drei Gegenspieler durch und holte einen Freistoß heraus, der aber ebenso nichts brachte. Sehr pünktlich pfiff der Referee dann zur Halbzeit, in der die verbleibenden Nasen im Stadion erst mit einer Version des unvermeidlichen „You’ll never walk alone“ (klang wie die Interpretation von Elvis Presley) beschallt wurden, nur um dann abrupt von Alpenschlagern gequält zu werden.

Tas läuft nach Ausgleich ins offene Messer

Pechvogel: Yildirim Tokmak traf den Pfosten

Dieser Musik-Voodoo beeindruckte Tas jedoch nicht und die Kicker in Blau machten nach Wiederanpfiff Druck. Die Gastgeber wurden mitunter hinten gehörig eingeschnürt, doch sowohl die Genauigkeit bei den Flanken als auch der Mut zum Abschluss fehlte. Yildirim Tokmak packte dann den Hammer aus, doch der Schuss knallte an den Pfosten. Schwarz-Weiß schien konditionell etwas abzubauen, kam nur noch gelegentlich nach vorn, sorgte aber immer mal wieder für Gefahr. Das nervenaufreibende Spiel trieb den tasmanischen Anhang zur Verzweiflung, eine scharfe Flanke von Udeoka verfehlte Hartwig in der Mitte nur knapp.

Dazu kam das ziemlich dreiste Zeitspiel des Torwarts der Schwarz-Weißen, der sich bereits nach nicht einmal einer Stunde schon sehr viel Zeit ließ, die Bälle zurückzuholen, die am Tor vorbei Richtung Anzeigentafel und Stadion-DJ sausten. Im gewissen Rahmen quasi normal stellte man sich hier selbst von der Trainerbank aus demonstrativ Spielern in den Weg, die geklärte Bälle aus dem Seitenaus holen wollten. Man ist jung und braucht die Punkte, aber bitte nicht so. Bestraft wurde es dann doch. Der gerade eingewechselte Leonard Kirschner spekulierte bei einer schlecht geklärten Flanke genau richtig, legte sich gegen zwei Gegenspieler den Ball zurecht und vollendete (62.). Endlich der verdiente Ausgleich!

Nun drückte Tas und versuchte, das Spiel zu drehen. SW beteiligte sich nun wieder mehr und so wurde es endgültig zum offenen Schlagabtausch. Der Siegtreffer war zum Greifen nahe und fiel doch auf der anderen Seite: bei einem langen Ball begleiteten zwei Verteidiger ihren Gegenspieler nur, statt ein Tackling zu wagen oder den Schuss abzublocken – und dieser traf zum 3:2. Die Schlußoffensive inclusive eines stürmenden Torwarts Schelenz sorgte zwar noch einmal für Feuer unter dem Dach, doch es blieb bei dem Spielstand.

Im kleinen Neukölln-Derby verliert Tasmania im Duell zweier löchriger Defensiven letztlich unglücklich, muss sich die Niederlage aber doch an’s eigene Revers heften. In den letzten Spielen gegeneinander ging es häufig zur Sache, obwohl SW stets „nur“ um den Klassenerhalt spielte. Dies hätte Warnung genug sein sollen und doch, so schien es, wurde der Gegner auf die leichte Schulter genommen. In den nächsten zwei Wochen kommen nun die Spitzenteams Berliner SC (die ihrerseits gegen Makkabi einen Rückstand aufholten .. ) und die „Shopping Queen“ Blau-Weiß 90.

Spielbericht: Martin Senz
Fotos: SV Tasmania/Schikowski
Zur Fotogalerie von Estella Shaina Nickel

SV Tasmania: Robert Schelenz – Eddie Udeoka, Julian Loder, Maximilian Weyer, Mark Schmidt – Okan Kirli, Yildirim Tokmak, Tolgay Asma – Daniel Ujazdowski, Nicola Thiele, Romario Hartwig
Einwechslungen: Leonard Kirschner für Daniel Ujazdowski (60.), Florian Medrane für Tolgay Asma (83.)
Tore: 0:1 Romario Hartwig (11.), 1:1 Bengt-Tibor Dräsel (18.), 2:1 Alianni Urgelles Montoya (29.), 2:2 Leonard Kirschner (62.), 3:2 Tobias Schmidt (86.)

Nächstes Spiel: Sonntag, 10.12.2017, gegen den Berliner SC – 14 Uhr, Werner-Seelenbinder-Sportpark