Berliner SC 3 - 2 SV Tasmania Berlin

12. March 2017 - 13:30 Uhr - Hubertussportplatz
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Tasmanias Abwärtstrend hält an

+++ 2:3-Niederlage nach Blitz-Rückstand beim BSC +++ Tore durch Engin und Kirli +++ Ermel sieht Rot +++ Reichel-Elf jetzt nur noch 4. +++

Unter Druck: Nicht immer präsentierte sich die Defensive des SV Tasmania (weiße Trikots) so geordnet wie hier. Foto: SV Tasmania/Estella Shaina Nickel

Spielbericht: Hagen Nickelé

Zum Ende der Hinserie hatte der SV Tasmania durch die Niederlagen beim Spitzenreiter SC Staaken und gegen Eintracht Mahlsdorf in der Tabelle bereits beträchtlich an Boden eingebüßt. Fünf Punkte Rückstand auf die (immer noch) ungeschlagenen Staakener war eine ordentliche Hypothek. Doch wie es so ist: mit Abschluss der Winterpause werden die Rechenschieber dann doch wieder ausgepackt und das Spekulieren geht fröhlich von vorne los. Allerdings hat die Mannschaft es binnen zwei Spielen geschafft, die Aussichten auf den Nullpunkt zu stellen: ein Unentschieden beim Nordberliner SC, eine Niederlage zuhause gegen die Füchse Berlin – und der Rückstand war auf acht Punkte angewachsen.

Neben der mageren Punktausbeute gaben auch die beiden schwachen Vorstellungen Anlass, an die Saison 2016/17 bezüglich der Berliner Meisterschaft einen Haken zu machen. Kursierende Äußerungen über schwache Trainingsbeteiligung und der eine oder andere Abgang eines brauchbaren Spielers taten – und tun – ihr Übriges. So stellte sich vor dem Auswärtsspiel beim Berliner SC die Frage, wie sehr sich das Team, das momentan selbst sein größter Gegner zu sein scheint, würde motivieren können.

Aktivposten I: Florian Medrane

Die größten Pessimisten sollten ihre dunklen Ahnungen dann ganz schnell von der Realität aber sogar noch übertroffen sehen. Die erste flüssige Ballstafette der Hausherren erwischte die Tas-Defensive noch im Tiefschlaf und prompt lag der Ball im Tor – nach rund 30 Sekunden…! Ulucay war auf halbrechter Position frei im 16er gefunden worden und knallte den Ball trocken ins kurze Eck. Ein schneller Rückstand, der seine Wirkung bei Fans und Mannschaft hinterließ.

Erst nach einer Viertelstunde sollte die Elf von Trainer Mario Reichel das erste Mal vor dem BSC-Tor aufkreuzen. Nach einem Freistoß von Florian Medrane war ausgerechnet der kleine Salvatore Rogoli mit dem Kopf zur Stelle, verfehlte aber das Ziel. Doch schon im Gegenzug präsentierte sich die Neukölner Defensive wieder anfällig, so dass sich Torwart Ünal Koçak (vertrat den gesperrten Robert Schelenz) genötigt sah, seinen 16m-Raum zu verlassen. Am Ende bereinigte aber Mark Schmidt die Situation.

Immerhin: Tasmanias Leistungskurve zeigte sich in der Folge ansteigend. Einen Rogoli-Freistoß lenkte BSC-Keeper Maus über die Latte (26.), auch Vahit Engin verpasste frei stehend den Ausgleich (34.). Nur zwei Minuten später aber musste Koçak wieder weit rauseilen – Schiller kam ihm diesmal jedoch zuvor, aber dessen Ball ging neben das Tasmania-Tor. Fünf Minuten vor der Pause ging dann auch ein Dropkick von Tolga Şahin am gegnerischen Tor vorbei, es blieb beim 0:1 zur Halbzeit.

Aktivposten II: Salvatore Rogoli

Nach dem Wechsel blieb Tasmania feldüberlegen, ohne jedoch massenhaft Chancen herauszuspielen. Torwart Maus verhinderte nach Flanke von Rogoli, dass Engin einschießen konnte (48.), und nach einer Freistoßeingabe des Italieners flog der Ball einmal an Freund und Feind vorbei quer durch den Strafraum (55.). Nun schlugen die Grunewalder zurück, einmal rettete Koçak über den Querbalken (56.), beim nächsten Versuch ging der Ball ohne Mithilfe über das Tor.

Der bis dahin unauffällige Schiedsrichter Paffrath sollte in der nun angebrochenen letzten halben Stunde mehr in den Mittelpunkt rücken. Nach Flanke von Medrane hatte Damien Tiedmann nämlich mit herrlichem Direktschuss getroffen, doch schon während des Spielzugs war der Pfiff des Unparteiischen zu vernehmen. Die Proteste von Seiten Tasmanias hielten sich allerdings in Grenzen. Und wie es dann so kommen muss, wenn es nicht richtig läuft, kamen die Gastgeber zum 2:0 nach einem feinen Freistoß von Gehring (63.).

Ein weiterer Nackenschlag also – die Blau-Weiß gekleideten Tasmanen präsentierten sich darob zwischenzeitlich durcheinander und hatten Glück, dass bei einem Querschläger, der an den Pfosten klatschte, nicht schon die endgültige Entscheidung zu Stande kam (68.). Es folgte eine Situation, die verdächtig nach Handspiel im 16er des Berliner SC und somit einem Strafstoß für Tas roch – diesmal blieb die Pfeife von Paffrath allerdings stumm (74.). Und auch in diesem Fall sollte es auf der anderen Seite klingeln: die Abwehr präsentierte sich einmal mehr unsortiert, wodurch Erdogan mühelos das 3:0 gelang (75.). Scheinbar die Vorentscheidung, doch im Gegenzug erzielte Engin den Anschluss für Tasmania (76.) – voraus gegangen war eine schöne Vorarbeit von Medrane.

Ein Mann sieht Rot: Ronny Ermel

Während sich ein schwacher Hoffnungsschimmer breit machte, blieb die Tas-Defensive weiter anfällig. Mark Schmidt musste bei einem Angriff des BSC auf der Linie klären (81.). Aufregung dann kurz vor Ende der regulären Spielzeit: Ronny Ermel hatte einen davon ziehenden Gegenspieler unsanft von den Beinen geholt und der Schiedsrichter zeigte ihm dafür die Gelbe Karte. Die folgende Behandlungspause nutzte dessen Assistent allerdings, um sich mit seinem Vorgesetzten nochmal über die Szene auszutauschen – worauf der Unparteiische seine Gelbe Karte zurück nahm und Ermel mit glatt Rot des Feldes verwies. Ein ungewöhnlicher Vorgang, aber irgendwie passte es zu diesem aus Neuköllner Sicht vermurksten Nachmittag.

Diese Verzögerung führte zu einer Nachspielzeit a la Hertha-Bayern vor wenigen Wochen, an deren Ende es nochmal Elfmeter für Tasmania geben sollte. Grund war das Handspiel eines BSC-Spielers im Strafraum. Schiedsrichter Paffrath bedeutete bereits vor Ausführung des Elfmeters, dass dies die letzte Aktion des Spiels sein würde. So spielte es auch nicht mehr eine entscheidende Rolle, dass der im zweiten Durchgang eingewechselte Mehmet Okan Kirli den Strafstoß in bewährter Manier versenkte (90. +6). 3:1 oder 3:2, das interessierte nur noch die Chronisten.

Unter dem Strich eine gar nicht mal so schlechte Leistung, allerdings ohne das nötige Glück und teilweise auch den nötigen Plan. Rogoli war zwar unermüdlich darin, Struktur ins Spiel zu bringen – es fehlte aber insgesamt auch die letzte Überzeugung. So kommt ein deutlicher Abwärtstrend zu Stande: fünf der letzten 10 Pflichtspiele verloren, nur ein Punkt, aber zwei Platzverweise aus drei Rückrundenspielen. Da mutet es beinahe etwas merkwürdig an, dass die Reichel-Elf immer noch die beste Abwehr der Liga besitzt (bislang 12 Gegentore). In den letzten drei Partien kassierte man allerdings so viele wie in den 17 vorher gehenden.

Sonntag auf Kurzbesuch: Mohamed Razeek

So wird der Rest der Saison bei noch 14 ausstehenden Spielen – und einem unmittelbar abhanden gekommenen Ziel – zum Charaktertest. Inzwischen ist man nur noch Tabellenvierter, sollte diese Platzierung auch noch verspielt werden (Stern 1900 als Fünfter ist aktuell noch sechs Punkte zurück), droht das Mittelmaß und Misslingen der Saison 2016/17. Schon gegen die Reserve des BFC Dynamo am Sonntag ist das Berlin-Liga-Team also gefordert, dem Trend entgegen zu wirken. Der BFC II zeigte dabei im Abstiegskampf ein kräftiges Lebenszeichen, fertigte zuletzt Hürtürkel ab (6:0) und hatte den jetzigen Tabellen-3., SD Croatia, beim 3:3 vergangenes Wochenende am Rande einer Niederlage.

Die Hohenschönhauser bringen übrigens zwei alte Bekannte mit an die Oderstraße. Niklas-Joel May, vor der Saison zu Hürtürkel gewechselt, hat es vor der Rückrunde zur 2. Herren der Weinroten gezogen. Mohamed Razeek nahm dagegen im Winter den direkten Weg von Tasmania zum BFC II. Der in Neukölln populäre „Murshid“ traf dabei in den letzten beiden Partien jeweils einmal für seinen neuen Verein.

Fotos (4): SV Tasmania/H. Nickelé

Zur kompletten Fotogalerie von Estella Shaina Nickel

SV Tasmania: Koçak; Schmidt, Samardžić, Ermel, Tiedmann; Tokmak, Asma (69. Maass); Şahin (55. Kirli), Rogoli; Engin, Medrane (77. Hirik).
Tore: 1:0 Ulucay (1.), 2:0 Gehring 63.), 3:0 Erdogan (75.), 3:1 Engin (76.), 3:2 Kirli (90. +6, Handelfmeter).
Besonderes Vorkommnis: Rote Karte für Ermel (87.).
Zuschauer: 32 Zahlende am Kunstrasenplatz des Hubertussportplatzes.