1. FC Lübars 0 - 2 SV Tasmania Berlin

12. November 2017 - 13:30 Uhr - Sportplatz Schluchseestraße
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Arbeitssieg in typischem Pokalspiel

‚Kick-and-Rush‘-Taktik der Gäste brachte tasmanische Defensive teilweise in Verlegenheit – Beide Torhüter mit starker Leistung

Typischer Pokalfight: Kirschner (M.) ist im Mittelfeld mit dem Kopf schneller am Ball als sein Kontrahent und auch Ujazdowski (r.) mit dem Fuß (Foto: SV Tasmania/E. S. Nickel)

 

Nachdem in der letzten Runde der BFC Meteor aus dem Wedding geschlagen wurde, ging die Reise erneut in den Nordwesten. In der Nähe des S-Bahnhofs Waidmannslust, im Schatten der Hochhäuser in der Schluchseestraße, traf Tasmania auf den Bezirksligisten 1. FC Lübars, der letztmalig im letzten Jahr des vergangenen Jahrtausends in der Verbandsliga spielte. Die Favoritenrolle lag demnach wieder bei Tas, die das Spiel bestimmten, aber auch einige Gelegenheiten der kämpfenden Gastgeber zuließen. Mit einem verdienten Sieg zog Tasmania in das Achtelfinale ein und kann weiterhin von einem erneuten Endspiel träumen.

1. Hälfte: Ujazdowskis 1:0, Schelenz‘ Glanztat

Reaktionsschnell: Robert Schelenz

Tasmania übernahm die Zügel und leitete von Beginn an mehrere Angriffe ein, die zu diversen Chancen führten. Nicola Thiele (3.), Leonard Kirschner (5., nach Vorarbeit von Okan Kirli), Florian Medrane (9.) und Daniel Ujazdowski (10.) sorgten innerhalb weniger Minuten für Gefahr, die Gastgeber hielten mit Kontern dagegen. Erste verbale Zärtlichkeiten zwischen Julian Loder und der gegnerischen Trainerbank zeigten, dass keiner heute zurückstecken wollte. Die beste Chance in dieser Anfangsphase bekam Arber Shuleta, der nach tollem Solo auf links von Eddie Udeoka den Ball serviert bekam, aber verfehlte. Danach verflachte das Spiel etwas, ein kecker Distanzschuss der Gastgeber erinnerte aber alle Anwesenden, dass es heute doch um das Weiterkommen im Pokal ging und das Spiel nahm wieder Fahrt auf. Und wie: Medrane bekam den Ball am rechten Flügel, flankte in den Strafraum zum umtriebigen Ujazdowski, der klug gegen die Laufrichtung des Torwarts einköpfte. Die beruhigende Führung für Tas (33.), zumal Lübars jetzt nicht mehr ausschließlich auf Konter spielen konnte. Der Vorlagengeber hatte auch die Möglichkeit, direkt im Anschluss nachzulegen, doch Medrane scheiterte an der starken Fußabwehr des Lübarser Schlussmanns Schomanski, der seine Truppe immer wieder im Spiel hielt.

Für Bonmots sorgte zudem die Trainerbank der Gastgeber, von wo wertvolle Coachinganweisungen an die eigene Mannschaft („Wir spielen auf das andere Tor!“) auf das Feld gebrüllt wurden. Bevorzugtes Subjekt der Kritik blieb allerdings die Nummer 22, Thaim Kamara, der laut seines Übungsleiters wahlweise zu früh oder zu spät zum Ball ging. Wie man’s macht … Doch plötzlich hatte Lübars doch noch eine Doppelchance, die wiederum zweimal grandios von Tasmania-Keeper Robert Schelenz verhindert wurde. Gleich zweimal musste er nacheinander im direkten Duell gegen ungedeckte Gegenspieler alle Register ziehen und brachte die Gastgeber um den Ausgleich. Das Spiel verflachte spielerisch wieder, es wurden auf beiden Seiten mit langen Bällen nach vorne gearbeitet, die häufig verloren gingen.

2. Hälfte: Lübars hält Spiel offen, späte Entscheidung durch Hartwig

Torinstinkt: Romario Hartwig

Nach dem Wiederanpfiff versuchten zunächst die Gastgeber, Tas zu überrumpeln und den Ausgleich zu erzwingen, doch die besseren Chancen hatten die Männer in Blau. Ujazdowski nahm das Leder, setzte sich gegen mehrere Gegenspieler durch, aber konnte beim Abschluss nicht den Keeper überwinden. Nach einer Ecke musste zweimal der Torwart mit dem Gebälk für Lübars aushelfen, kurz darauf bekam Leonard Kirschner den Ball, ließ schön den Gegenspieler aussteigen, verfehlte aber aus spitzem Winkel knapp. Einzelne Spieler der Gastgeber versuchten, durch Härte die Tasmanen hektisch zu machen – wobei man dies sicher cleverer machen kann als der Kicker, der mit gestrecktem Bein foulte und allen Ernstes rief: „Der läuft doch in mich rein“. Für Unterhaltung war also weiterhin gesorgt, doch kurz darauf stockte allen Zuschauern der Atem: Robert Schelenz faustete einen hohen Ball weg und prallte mit einem Gegenspieler zusammen. Beide wanden sich vor Schmerzen, konnten gottlob aber weiterspielen. Die Bank der Lübarser forderte allerdings einen Elfmeter, aber wie sagte dereinst ein Werbeslogan: „Mit der richtigen Brille sieht man die Welt ganz anders.“

Wohl wahr – Tasmania hielt den Druck aufrecht, eine Mischung aus Rückpass und Querschläger fing der Keeper der Gastgeber. Riskant, hätte man durchaus als Rückpass auslegen können. Der Schiedsrichter ließ aber zu Recht weiterlaufen. Auch weiterhin ergaben sich Chancen für Tasmania, die endlich die Entscheidung erzwingen wollten. Diese mussten die Lübarser ohne ihren Co-Trainer kurz vor dem Ende hinnehmen, da der Übungsleiter einen Kegel auf das Feld kickte und dafür​ – sehr zu seinem Unmut – auf die „Tribüne“ geschickt wurde. Der eingewechselte Romario Hartwig, der in der Schlussphase für viel Gefahr bei der nun müden Gastgeberabwehr sorgte, staubte kurz vor dem Ende (88.) ab. Ausgangslage war ein Kopfball Ujazdowskis, der einmal mehr vom Torwart gut gehalten wurde – aber ein Stürmer tut, was ein Stürmer eben tun muss: günstig stehen und schneller als der Gegenspieler reagieren. Zuvor war er zu Unrecht wegen eines vermeintlichen Offensivfouls zurückgepfiffen worden.

Mit diesem Arbeitssieg zieht Tasmania in die nächste Runde des Berliner Landespokals (Achtelfinale) ein. Auch wenn einige Zuschauer der Gastgeber unkten, dass die Leistung für die Berlin-Liga nicht so berauschend sei: ein gutes Pferd springt eben nur so hoch, wie es muss. In einer insgesamt fairen Partie mit einer angenehmen Atmosphäre setzte sich der glorreiche SV Tasmania durch und kann nun gespannt auf die Auslosung warten. Kommenden Sonntag wartet in der Liga um 14:30 Uhr der SV Sparta in Lichtenberg. Erscheint zahlreich!

Spielbericht: Martin Senz
Fotos (2): SV Tasmania/Schikowski
Zur Fotogalerie von Estella Shaina Nickel

SV Tasmania: Robert Schelenz – Maximilian Weyer, Julian Loder, Eddie Udeoka, Mehmet Okan Kirli – Yildirim Tokmak, Nicola Thiele, Arber Shuleta – Florian Medrane, Daniel Ujazdowski, Leonard Kirschner
Einwechslungen:Romario Hartwig für Leonard Kirschner (66.)
Torfolge: 0:1 Daniel Ujazdowski (33.), 0:2 Romario Hartwig (88.).